Unsere Position zum Medico Palais

Quelle: Homepage der Stadt Bad Soden

 

B90/Die Grünen zum Medico Palais als neuen Sitz der städtischen Verwaltung

Auszüge aus der Rede der STV Isabell Reuter:

Wir reden hier heute eigentlich über zwei Dinge:

Auf der einen Seite steht das Kulturdenkmal Medico Palais, das seit Jahren verkauft werden soll, mittlerweile seit 2 Jahren leer steht und uns immer weiter Geld kostet, obwohl es nicht genutzt wird. Ein historisch wertvolles Gebäude für diese Stadt, war es doch das deutschlandweit, vermutlich sogar europaweit, größte Inhalatorium seiner Art. Es war mit einer der Gründe, warum Bad Soden so eine beliebte Kurstadt war. Bereits seit 1927 gibt es dort einen Aufzug, sodass auch für Menschen mit einer Gehbehinderung, schwerem Gepäck ein Erreichen der Behandlungsräumlichkeiten gewährleistet war. Bei der Begehung im Herbst blieb einmal mehr der Lichthof in Erinnerung. Aber auch, dass dieses Gebäude – egal in welcher Hand es ist – erstmal ordentlich saniert und ggf. umgebaut werden muss, bevor es genutzt werden kann.

Auf der anderen Seite steht ein denkmalgeschütztes Rathaus, das eigentlich zuerst ein Hotel, dann Wohnungen beherbergen sollte und schließlich die Heimat der Bürgermeister und Teilen der Stadtverwaltung geworden ist. Die über 60-jährige Nutzungsdauer sieht man dem heutigen Rathaus und auch der benachbarten Königsteiner Straße 77 an der ein oder anderen Stelle an. Anforderungen an Arbeitsschutz, Wärmedämmung, Digitalisierung, Attraktivität, wie sie heute an eine moderne Verwaltung gestellt werden, waren damals wie noch vieles andere noch in weiter Ferne. Auch an die Notwendigkeit, dass Menschen mit Kinderwagen, mit Rollator oder gar im Rollstuhl die Verwaltung aufsuchen könnten, scheint damals keine allzu große – vermutlich gar keine – Rolle gespielt zu haben. Kurz um: Das Rathaus ist – so wie es heute dasteht – sanierungsbedürftig.

Als wir im Frühjahr 2019 den Prüfantrag gestellt haben, waren wir in unserer Fraktion keineswegs alle der Meinung, dass es realistisch wäre, die komplette Verwaltung in den städtischen Gebäuden in der Parkstraße, zu denen auch das Paulinenschlößchen und die Ökumenische Diakoniestation gehören, zusammenzulegen. Deshalb ließen wir es prüfen. Ergebnis: Der vorhandene Platz reicht nicht!
Bis heute gibt es in unserer Fraktion durchaus geteilte Auffassungen zu dem Thema Umnutzung des Medico Palais als Verwaltungsstandort.

Gründe, die in unseren Augen dafür sprechen:

  • Ein historisch wertvolles Gebäude und Kulturdenkmal bleibt in städtischer Hand und wird für die Öffentlichkeit wieder zugänglich
  • In jedem Fall eine Steigerung der Barrierefreiheit und Bürger*innenfreundlichkeit – sofern kein 1:1 Umzug aus der Königsteiner Straße ins Medico Palais erfolgt, sondern die publikumsintensiven Bereiche wie bspw. das Bürgerbüro oder das Sozialamt dort einziehen
  • Der jetzige Standort an der Königsteiner Straße ist den Ansprüchen an die heutige Verwaltung nicht mehr in ausreichendem Maß gewachsen.

Gründe, die uns skeptisch bleiben lassen:

  • Das Medico Palais war nie als Verwaltungsort gedacht. Es war ein Inhalatorium, ein Ärztehaus, das ganz andere Anforderungen hatte als ein Verwaltungsgebäude im Jahr 2020 und der immer digitaler werdenden Zukunft. Die Kostenschätzung wurde auf Nachfrage im Ausschuss nochmal konkretisiert, aber noch können wir nicht glauben, dass der Umbau und die sinnvollerweise gleich energetische Sanierung dieses denkmalgeschützten Gebäudes, die Entsorgung der Kessel und Leitungen, die Ausstattung mit moderner Technik, nur knapp 9,5 Millionen Euro kosten wird. Und manche technischen Anlagen sind – wahrscheinlich aufgrund eines noch nicht vorliegenden Raumkonzeptes – noch gar nicht eingeplant.

 

Bleibt noch eine Frage offen – was wird aus dem heutigen Rathauskarree, sollte die Verwaltung ausziehen? Ob das Gebiet mit dem denkmalgeschützten Rathaus tatsächlich ein Verkaufsschlager wird und zur Refinanzierung des Fitmachens des Medico Palais dienen wird, ist noch offen.

Die persönlichen Abwägungen bzgl. der Gesamtkonstellation innerhalb unserer Fraktion fallen da durchaus unterschiedlich aus – deshalb werden wir uns gemeinschaftlich enthalten.

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